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Berlin: Syrien bestätigt Festnahme deutscher Journalistin

Seit mehr als zweieinhalb Monaten galt die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann in Syrien als vermisst. Nun bestätigte das Informationsministerium in Damaskus dem Auswärtigen Amt in Berlin, dass die 36-Jährige in ar-Raqqa von einer Miliz festgenommen und inhaftiert wurde.
Berlin: Syrien bestätigt Festnahme deutscher Journalistin© Urheberechtlich geschützt

Im Februar gab es erste Presseberichte über das Verschwinden zweier Journalisten in Syrien, der Deutschen Eva Maria Michelmann und ihres kurdischen Kollegen Ahmet Polat. Beide arbeiteten zu diesem Zeitpunkt im syrischen ar-Raqqa, während Truppen der Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa, militärischer Befehlshaber der HTS, in der Region operierten. Nach Monaten der Unsicherheit bestätigten die Behörden in Damaskus nun, dass Michelmann in einem von der kurdisch geführten Miliz SDF genutzten Gebäude aufgegriffen und inhaftiert wurde.

Die 36-jährige Kölnerin lebt laut Medienberichten seit vier Jahren in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordosten Syriens. Sie arbeitete demnach gemeinsam mit ihrem Kollegen Ahmet Polat für die in Istanbul ansässige Nachrichtenagentur ETHA sowie für Özgür TV. Zuletzt hatte ihre Familie im Dezember des Vorjahres schriftlichen Kontakt zu ihr.

Ein Artikel der Zeitung junge Welt beschreibt recherchierte Vorkommnisse zu Jahresbeginn und berichtet, dass sich die beiden Journalisten nach Kampfhandlungen "in ein Haus einer kurdischen Jugendorganisation geflüchtet" hatten. Demnach habe Ahmet Polat aus dem Gebäude noch per Video berichtet, wie dieses umzingelt wurde. "Dann brachen Internet- und Telefonkontakt ab."

Nach Monaten der Unsicherheit über den Aufenthaltsort der Journalistin und ihren gesundheitlichen Zustand teilte das deutsche Außenministerium nun mit, dass direkter Kontakt zu Eva Maria Michelmann aufgenommen werden konnte. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, es habe ein Gespräch mit der Journalistin stattgefunden. Die Verteidiger Michelmanns hatten bereits vor einigen Tagen bekanntgegeben, dass sie sich in einem syrischen Gefängnis befinde.

Der Fall war bereits in der Vorwoche Thema der Regierungspressekonferenz vom 24. April. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte auf entsprechende Nachfrage:

"Ich kann Ihnen mitteilen, dass wir nach intensiven und auch hochrangigen Bemühungen auf verschiedenen Kanälen gestern tatsächlich direkten Zugang zu Frau Michelmann erhalten haben. Die Kolleginnen und Kollegen der deutschen Botschaft in Beirut [...] und der deutschen Botschaft in Damaskus betreuen sie jetzt weiterhin konsularisch."

Nun erfolgte auch eine direkte, offizielle Bestätigung seitens der Übergangsregierung in Damaskus. Michelmann befindet sich nach Angaben der Regierung in syrischer Haft. Beide Journalisten seien von Kräften des Innenministeriums bei einer Durchsuchung in ar-Raqqa in einem Gebäude gefunden worden, das von der kurdisch geführten Miliz SDF als Sicherheitsquartier genutzt worden sei, teilte das syrische Informationsministerium am Donnerstag mit. Beide hätten jedoch ihre Identität zunächst nicht preisgeben wollen.

Das syrische Ministerium erklärte weiter laut Agenturmeldung, dass beide Personen "formell verhaftet worden sind". Weiter heißt es, dass "rechtliche Schritte eingeleitet worden sind, um die Überstellung an die zuständigen Justizbehörden vorzubereiten". Welche Vorwürfe gegen die beiden Journalisten erhoben werden und welche Konsequenzen die Inhaftierung hat, teilte das Ministerium nicht mit.

Michelmann werde nun "als im Ausland inhaftierte deutsche Staatsbürgerin konsularisch betreut", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. "Damit ist inzwischen zweifelsfrei verifiziert, dass sie seit mehr als drei Monaten durch die syrische Regierung inhaftiert ist", sagte der Anwalt der Familie in der Vorwoche. Nach Angaben der Familie und der Anwaltskanzlei, die Michelmanns Mutter und Bruder vertritt, wird die Kölnerin laut einem Artikel des Spiegel aktuell "in einem Gefängnis in Damaskus festgehalten".

Aus dem Auswärtigen Amt wird ihr Aufenthaltsort derzeit nicht bestätigt. In einem offenen Brief zu Wochenbeginn wenden sich die Angehörigen nun direkt an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Insgesamt hätten mittlerweile "160 Menschen den offenen Brief unterschrieben", berichtet t-online, darunter mehrere Abgeordnete des Bundestags und des Europäischen Parlaments.

Der Bruder der Inhaftierten wird mit den Worten zitiert, bezogen auf den offiziellen Staatsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa Ende März in Berlin (RT DE berichtete):

"Er könne nicht nachvollziehen, dass die Bundesregierung überhaupt bereit sei, mit der syrischen Übergangsregierung zusammenzuarbeiten. 'Ihnen wird der Rote Teppich ausgerollt und gleichzeitig wissen wir nicht einmal, ob in den diplomatischen Gesprächen das Schicksal von Eva Maria und Ahmet Polat überhaupt diskutiert wird.'" 

Bei dem kurzen Besuch eines Mitarbeiters der deutschen Botschaft "habe dieser nicht frei mit Eva Maria Michelmann sprechen können, da während des gesamten Zeitraums syrisches Wachpersonal anwesend gewesen sei".

Die Familie beabsichtige nun, nach der Bestätigung des Aufenthaltsorts nach Damaskus zu reisen, habe jedoch vom Auswärtigen Amt bislang "keine weiteren Informationen erhalten".

Die Mutter der Journalistin erklärte auf einer Pressekonferenz in dieser Woche, dass es vom Auswärtigen Amt in Berlin "bisher allerdings nur schöne Sprüche gegeben hat". Zwar sei ihr zugesichert worden, dass sich die zuständige Botschaft um den Fall kümmere, jedoch müssten nun auch Taten folgen.

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