Meinung

Neues Konzept der US-Marine – Piraterie, weltweit und im großen Stil

Im US-Verteidigungsministerium scheint man begriffen zu haben, dass die moderne US-Flotte an Überwasserschiffen zur Machtprojektion nur mäßig taugt. Darum scheint auch die Zukunft der geplanten Schlachtschiffe der Trump-Klasse ungewiss. Die USA kehren stattdessen zur Piraterie zurück.
Neues Konzept der US-Marine – Piraterie, weltweit und im großen Stil© RIA Nowosti

Von Viktoria Nikíforowa

Die Zwischenergebnisse der Konfrontation zwischen den USA (und Israel) einerseits und Iran andererseits lassen sich an einem Zeichen wohl am besten ablesen: an der massiven Säuberung der US-Militärführung, die US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, als das US-Militär mitten in Kampfhandlungen verwickelt war, überstürzt einleitete.

Den Verlust ihrer Ämter haben in diesem Zusammenhang bisher zu beklagen: der Generalstabschef des Heeres, der stellvertretende Generalstabschef der Luftwaffe, der Chef des US-Heeresausbildungs- und Transformationskommandos, der Chef der US-Heeresgeistlichen und ein halbes Dutzend weiterer Generäle. Am Donnerstag, dem 23. April 2026, reihte sich ein Zivilist in diese Trauerliste ein: US-Marineminister John Phelan. Er ist ein jüdischer Finanzier mit einem Vermögen, das Milliarden beträgt, ein großzügiger Spender der Republikanischen Partei – und ein enger Freund des US-Präsidenten.

In seiner Funktion als Marineminister beaufsichtigte er mit großem Eifer das Projekt zum Bau der sogenannten Goldenen Flotte – mehrerer riesiger Schlachtschiffe der Trump-Klasse. Militärische Erfahrung oder Erfahrung in der Organisation des militärisch-industriellen Komplexes besaß und besitzt dieser Mann nicht.

Die veranschlagten Kosten der Goldenen Flotte überfordern jede Vorstellungskraft. Das erste, noch nicht gebaute Schlachtschiff – mit Railguns, Lasern und allem drum und dran – wird den US-Haushalt rund 18 Milliarden US-Dollar kosten. Das ist viermal so viel wie ein Atom-U-Boot. Die US-Marine hat 377,6 Milliarden US-Dollar für die "Goldene Flotte" beantragt.

Es ist ungewiss, ob diese Superschiffe wirklich gebaut werden, doch es steht außer Frage, dass sich über die Personen, die mit der Umsetzung dieser Idee beauftragt werden, ein wahrhaftiger Goldregen aus der Staatskasse ergießen wird. Und wer sonst soll denn solche Pläne umsetzen, wenn nicht ein Freund des Präsidenten?

Letztes Jahr leiteten Elon Musk und der damalige Nationale Sicherheitsberater von Trump, Mike Waltz, auf Geheiß des Präsidenten eine Untersuchung wegen Korruption im Pentagon ein. Musk sprach damals von militärischer Veruntreuung in Höhe von "Milliarden, ja Dutzenden Milliarden Dollar". Besonders die militärischen Schiffbauprogramme gaben Anlass zur Sorge. Waltz beschrieb die Situation in diesem Bereich als "absolutes Chaos". Die Untersuchung wurde jedoch bald eingestellt, und beide Ermittler verloren ihre Posten. Es schien, als hätten sie sich bei ihren Ermittlungen zu hoch gehangelt und wären Leuten auf die Spur gekommen, denen sie auf keinen Fall hätten auf die Spur kommen dürfen.

Wie dem auch sei: Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte sich ja schon anfangs vehement gegen die Idee der "Goldenen Flotte" ausgesprochen. Und erst recht will er auch jetzt, in Erkenntnis der Herausforderungen moderner Kriegsführung, die Massenproduktion von Marinedrohnen und unbemannten Booten vorantreiben. Sein Konzept könnte sich nun im Pentagon durchsetzen, und das sind schlechte Nachrichten für die ganze Welt.

Die alte Idee, US-amerikanische Macht durch die Marine zu projizieren, erleidet derzeit in der Straße von Hormus eine eklatante Niederlage. Beide Flugzeugträger, die dorthin entsandt wurden, sind zu einer schweren Belastung für das US-Militär geworden – ihr Schutz hat sich als enorm kostspielig erwiesen, und sie haben keine einzige Kampfmission wirklich erfüllt.

Auch die riesigen Schlachtschiffe der Trump-Klasse wären ähnliche schwimmende Zielscheiben geworden – groß, teuer und sinnlos. Doch der US-Armee und der Marine muss man heute eines lassen: Sie passen sich zumindest momentan den Anforderungen moderner Kriegsführung im Handumdrehen an.

Und heute wirkt die Machtprojektion der US-Marine wie klassische Piraterie (also eigentlich wie immer, mit Ausnahme des Zweiten Weltkrieges, als sie wirklich hart gegen einen so etwas wie ebenbürtigen Gegner kämpfen musste; Anm. d. Red.). Sowohl in der Karibik als auch in der Straße von Hormus greifen US-Kriegsschiffe zivile Boote, Containerschiffe und Tanker an und kapern sie – also keine Militärschiffe, sondern zivile, völlig wehrlose Schiffe.

Da ist es doch völlig nachvollziehbar, dass Hegseth die Massenfertigung kostengünstiger maritimer Drohnen vorantreiben will: Damit würde er diese Piraterie auf eine neue Ebene heben und Handelsrouten beherrschen, ohne Personal zu riskieren – und dabei erheblich Kosten sparen. Sollte sich sein Konzept durchsetzen, wird sich die Seekriegsführung ebenso unwiderruflich verändern wie die Kriegsführung an Land.

Länder wie Russland und China sollten hier aufmerken, damit sie die Risiken der bevorstehenden globalen Konfrontation realistisch einschätzen und ihre militärischen Strategien entsprechend anpassen können: Da Washington nämlich den wirtschaftlichen Wettlauf nicht friedlich gewinnen kann, wird es zwangsläufig versuchen, seine Probleme durch militärische Dominanz zu lösen.

Dies gilt insbesondere, da die heutigen Machthaber dort die radikalsten Ansichten zu Krieg und Frieden vertreten. Kriegsminister Hegseth etwa wird regelmäßig wegen Antisemitismus und antimuslimischer Ressentiments kritisiert. Trump-Unterstützer Peter Thiel hat gerade ein wahrhaft kannibalistisches Manifest der Spionagefirma Palantir veröffentlicht, in welchem er die US-amerikanische Überlegenheit verkündet und zum Krieg aufruft.

Diese Leute sind es, die heute entschlossen die US-Militärmaschinerie säubern und modernisieren – und das tun sie ganz sicher nicht, um sie anschließend untätig stehen zu lassen. Ganz gleich, wie die offizielle Rhetorik des Weißen Hauses auch ausfallen wird, lohnt es sich, nicht auf das zu achten, was sie sagen, sondern auf das, was sie tun. Und, wie man so schön sagt: Das Schießpulver trocken halten.

Übersetzt aus dem Russischen

Zuerst erschienen am 24. April 2026 bei RIA Nowosti.

Viktoria Nikiforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. In letztgenannter Funktion schreibt sie häufig Kolumnen für RIA Nowosti.

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