Europa

"Eskalation durch Russland": Rumänischer Kampfjet schießt Sprengstoff-Seedrohne ab

Nach dem Abschuss einer Seedrohne in der Nähe eines Gasfelds im Schwarzen Meer durch einen rumänischen Kampfjet bezichtigt Bukarest Russland, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Dass die Drohne aus der Ukraine stammen könnte, schloss Rumäniens Verteidigungsminister sofort aus ‒ trotz jüngster Erfahrungen, die dafür sprechen.
"Eskalation durch Russland": Rumänischer Kampfjet schießt Sprengstoff-Seedrohne ab© Urheberrechtlich geschützt

In Rumänien hat ein Kampfjet des Typs F-16 eine Seedrohne im Schwarzen Meer abgeschossen, die Angaben des Verteidigungsministeriums zufolge mit Sprengstoff präpariert war. Die Drohne sei mehrere hundert Meter vom Gasfeld Neptun Deep im Schwarzen Meer entfernt getroffen worden. Nach Angaben der rumänischen Regierung arbeiten derzeit hunderte Beschäftigte auf dem Gasfeld, dessen Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen ist.

Woher die Drohne stammte, ist bislang unklar. Rumäniens Verteidigungsminister Radu Miratu teilte aber auf Facebook mit, dass sie nicht aus der Ukraine stammen soll.

Der rumänische Präsident Nicosur Dan machte sogleich Russland für den Vorfall verantwortlich und verurteilte auf der Plattform X die "Eskalation solcher verantwortungslosen Zwischenfälle durch die Russische Föderation aufs Schärfste". Der Einsatz des rumänischen Kampffliegers sei ein "Rennen gegen die Zeit" gewesen, um das Leben der Belegschaft auf der Offshore-Plattform zu schützen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, die von Rumänien zerstörte, mit Sprengstoff beladene, Marinedrohne sei Teil einer "eskalierenden Bedrohungskampagne". 

Wie die Verantwortlichen in Rumänien zu der Einschätzung gelangten, es habe sich nicht um eine ukrainische Seedrohne gehandelt, bleibt ihr Geheimnis.

Dabei gibt es bereits einen Präzedenzfall: Am 5. Juni explodierten vier Seedrohnen im rumänischen Hafen Constanța. Sie wurden kurz nach ihrer Entdeckung aus der Ukraine gezündet. Eine Drohne hatte sich in einer Ölbarriere in der Nähe eines Öllagers verfangen; das war der Grund, warum durch Videoaufnahmen eindeutig zu belegen war, dass es sich um ukrainische Drohnen handelte.

Die rumänische Journalistin Adriana Vitan Balint stellte daraufhin die Hypothese auf, dass es sich dabei um einen misslungenen Anschlag der Ukraine handelte. "Die Ukrainer", schrieb sie, "haben die Drohne geladen und auf das Öllagerterminal gelenkt, einschließlich des angrenzenden Ammoniumnitrat-Lagers. Das hätte augenblicklich etwa die Hälfte von Constanța dem Erdboden gleichgemacht und vor allem alle Spuren verwischt."

Kiew hatte Bukarest erst mitgeteilt, dass dort ukrainische Drohnen unterwegs seien, als das "gefangene" Exemplar bereits entdeckt worden war ‒ und nicht zu dem Zeitpunkt, an dem sie vermeintlich von ihrem Kurs abgelenkt wurden, was nach ukrainischen Angaben etwa vier Stunden zuvor geschehen sein soll. Rumänischen Medien gegenüber begründeten die Ukrainer ihr Schweigen damit, sie hätten angenommen, Rumänien könne die Drohnen auf dem Radar sehen.

Die vier Drohnen wurden in der Folge von der Ukraine aus gezündet. Das, schreibt Vitan Balint, hätte es unmöglich gemacht, die eingegebenen Zielkoordinaten zu überprüfen. Andernfalls hätte es kenntlich werden können, dass Constanța das eigentliche Ziel gewesen sei. Die mit 500 Kilogramm Sprengstoff beladene Drohne, die sich in der Barriere verfangen hatte, sei zuvor "durch das ganze Labyrinth im Hafen von Constanța" gelenkt worden. Was zusätzlich dafür spricht, dass Kiew die Drohnen für einen Anschlag unter falscher Flagge einsetzen wollte, bei dem eigentlich das angrenzende  Ammoniumnitrat-Lager getroffen werden sollte. Eine verheerende Explosion wie die im Hafen von Beirut 2020 wäre die Folge gewesen.

Mehr zum Thema - Rumänische Journalistin: Explosion von Constanța war gescheiterte False-Flag-Aktion

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